Geschichte Olympos

LYMPOS AUF KARPATHOS (Geschichte und lebenweise) Kostis M. Minas: Ordentlicher Professor an der Universitδt der Δgδis Manolis M. Makris: Rechtsanwalt-Schriftsteller Begrenzung und geophysikalische Beschaffenheit Das Dorfgebiet von Olympos erstreckt sich nφrdlich des Kymaras Berges und umfasst neben diesem nφrdlichsten Teil der Insel Karpathos auch die kleine Insel Saria, die einst mit Karpathos verbunden war, heute aber durch den «Steno΄΄(der Enge), wie die nur rund 100 m breite Meerenge genannt wird, von der Hauptinsel getrennt ist. Der Ort Olympos hat eine Flδche von 37 Quadratkilometern ohne Saria, und macht damit etwa ein Drittel der gesamten Inselflδche von Karpathos aus. Das Gebiet ist besonders gebirgig und Groίteils bewaldet. Die grφίten Bergmassive sind der Ais Ilias (Prophet Elias, 718 m), der Orkili (713 m=, der Kymaras (692 m), die Stioi (639 m), der Malo (635 m), das Koryfi (Bergspitze, 588 m), der Oros (der Berg, 561 m), der Asia (531 m) und auf Saria der Pachys Vounos (der dicke Berg, 630 m). Die bedeutendsten Talflδchen sind die Tδller von Avlona, von Achordea und von Kilious auf Karpathos, sowie das Pyla-Tal auf Saria. Flδchenmδίig kleiner, aber doch von groίer landwirtschaftlicher Bedeutung sind die Gebiete um Pei (von griechischen Wort Pedi, Flδche), Kambi und Ammoi auf Karpathos, sowie das Nappa Tal und das Kόstengebiet um Argos. Interessant ist auch die natόrliche Landschaftsaufgliederung durch das Meer, wie etwa der Naturhafen von Tristomo, sowie die zahlreichen malerischen Buchten, wie etwa die Buchten von Vroukounda, Physes und Evgonymo an der Westseite, die Buchten von Vananda, Diafani, Apokapo, Opsi, Kapi, Agnondia, Phorokli, Kandri, Philios, Nati u.a. der Ostseite und schlieίlich die Buchten von Jiaplo, Palatia, Alimounda und Mea’ alo (groίe Bucht) auf Saria. Obwohl das Gebiet von Natur aus nicht besonders zur landwirtschaftlichen Nutzung geeignet ist, hat der Fleiί die Olympiten, die keine Handbreit bebaubarer Erde ungenutzt lieίen, es ermφglicht, dass diese Erde bis zu 1500 Menschen ermδhrte. So viele Einwohner zδhlte der Ort in den Vierziger und Fόnfziger Jahren, und mφglicherweise auch in frόheren Zeiten. Die Antike Archδologische Funde haben gezeigt, dass sich im Gebiet von Olympos bereits im 15 Jahrhundert vor Christus Minoer und Mykener niedergelassen haben. Aufgrund antiker Schriftquellen (Skylax, Stravon) und archδologischer Ausgrabungen ist bekannt, dass es seit dem 4 Jh. V. Chr. Im Gebiet von Olympos zwei bedeutende Stδdte gab: Vrykous im Gebiet des heutigen Vroukounda und Nisyros «die mit der Insel der Niessyrier gleichnamige΄΄, im Gebiet Palatia auf Saria. An der Meerenge von Saria oder zumindest in deren Nδhe stand einst der Tempel des Porthmios Poseidonos, (des Poseidon von der Meerenge), welcher in antiker und hellenistischer Zeit Heiligtum und Verehrungsrot fόr die ganze Insel Karpathos darstellte. Aus Vrykous stammt die Aufschrift, die als «Dorischer Beschluss von Karpathos΄΄ bekannt ist, und dem Arzt Minokritos Mitrodorou gewidmet ist, der seine Dienste όber 20 Jahre entgeltlose und auf unvergleichliche Weise ausfόhrte. Von der antiken Stadt Vrykous sind noch zahlreiche gemeiίelte Grabstδtten, Ruinen von Mauern und Befestigungsanlagen, sowie Teile der hellenistischen Stadtmauern erhalten. Wie aus den byzantinischen Denkmδlern und Kirchen, die sich im Gebiet von Vroukounda und Palatia befinden, hervorgeht, waren diese Stδdte auch in der byzantinischen Epoche besiedelt. Da die groίe Basilika von Palatia (im Gebiet der heutigen Agia Sophia), und die Kirchen von Steno (im Gebiet der heutigen Agia Ekaterini) und Philios (im Gebiet Archangelos) etwa aus dem 6 Jh.n. Chr.stammen, wird angenommen, dass das Christentum im Lauf des 6 Jahrhunderts nach karpathos und insbesondere auch nach Olympos kam. Es besteht die Vermutung – die jedoch nicht sicher belegt ist – das Ioannis der Karpathier, eine bekannte Kirchengestalt des 6 Jahrhunderts, in Vrykous gelebt hat. Die Bewohner von Vrykous und Nisyros bewohnten ihre Stδdte vermutlich bis Ende des 7 Jahrhunderts, mφglicherweise auch bis ins 8 Jahrhundert, als sie aufgrund der Araber – Einfδlle zur gemeinsamen Flucht gezwungen wurden und in der Folge vom Meer entfernt, in natόrlich befestigten Lagen Zuflucht suchten. Vrykous wurde anscheinend seither nicht mehr bewohnt, wδhrend das Leben in Palatia weiterging. Vermutlich lieίen sich dort Araber nieder, die Stadt zu ihrem Ausgangspunkt machten, da von Palatia aus die Passage Rhodos – Karpathos ideal zu όberblicken war. Diese Theorie gilt als wahrscheinlich, da nur Araber es in jener Zeit wagen konnten, in Kόstengebieten zu wohnen. Darόber hinaus wiesen Archδologen und Historiker auf die Δhnlichkeit zwischen den Gebδuderuinen von Palatia und Funden aus Syrien hin, die vor dem 10 Jahrhundert datiert sind. Wie aus den Ruinen und aus tiefen Erdrissen ersichtlich ist, wurde die Stadt Palatia im 12 oder 13. Jahrhundert durch ein schreckliches verstφrt. Niederlassung in Olympos Die verfolgen Flόchtlinge aus Vrykous and Nisyros sind, wie oben angedeutet, wahrscheinlich zur Zeit der Araber – Einfδlle (7-9 Jahrhundert) nach Olympos gekommen, also in etwa zur Zeit des Ikonenstreits (8 und 9 jahrhundert). Diese Berechnung stόtzt sich einerseits auf die Tatsache, dass die antiken Stδdte zu dieser Zeit verlassen wurden, und andererseits auf die Ermittlung der Bauzeit der Kapellen Katholiki und Agios Ounoufrios, sowie auch auf die ursprόngliche Innendekoration der Hauptkirche des Dorfes, die in der Westkuppel zu sehen ist, wo die spδteren Schichten von Wandmalereien abgetragen wurden. Auf den Gemδlden in diesen Kirchen sind keine Heiligenfiguren abgebildet, sondern nur christliche Symbole, wie Kreuze, Fische u.δ., die von den Ikonenstreitern zugelassen waren. Vermutlich haben sich die Flόchtlinge aus Vrykous und Nisyros nicht sofort in Olympos niedergelassen, sondern vorher nach anderen neuen Orten, die nδher an ihren Heimatsiedlungen gelegen waren, gesucht. Mφglicherweise war Exepitarea (d.h. Ort der Heimatverwiesenen) eine solche vorόbergehende Niederlassung. Dort wurden Ruinen von Gebδuden aus dem 8 oder 9 Jahrhundert gefunden. Die Ortsnamen Olympos und Diafani Seinen Namen verdankt Olympos zweifelsohne dem hohen Inselberg, an dessen Hang es gegrόndet wurde. Heute heiίt der Berg zwar Ais Ilias (Prophet Elias), da auf seiner Spitze – wie auch auf vielen anderen gleichnamigen Bergen in ganz Griechenland – eine dem Propheten Elias geweihte Kirche steht. In der Antike hieί der Berg jedoch Olympos (ebenfalls wie viele andere Berge im griechischen Raum). Einst war das Dorf als Elympos bekannt (wie der gleichnamige Berg in Thessalien). Diesen Namen finden wir auch in Urkunden aus dem frόhen 19 Jahrhundert. Offiziell wird das Dorf jetzt aber Olympos genannt und geschrieben, und zwar mit weiblichem Artikel (wie im Griechischen fόr Stδdte – und Ortsnamen όblich) und nicht «der Olympos΄΄ (wie der antike Gφtterwohnsitz). Der Namen Diafani geht auf ein gewissen Diaphanes zurόck, der eine besondere Bindung an den Ort gehabt haben soll, und zwar entweder als Groίgrundbesitzer oder als Mφnch. Vom sprachwissenschaftlichen Standpunkt aus ist diese Ableitung die einzig όberzeugende. Neuere Zeit Uns liegen nur wenige Berichte όber das Leben in Olympos ab der Niederlassung der ersten Siedler bis zum vergangenen Jahrhundert vor. Die wenigen Reisenden, die Karpathos besuchten, drangen kaum einmal ins abgelegene Olympos vor, erzδhlen aber voller Begeisterung vom Ruf, den die antik anmutende Sprache des Dorfes, sowie seine Brδuche und Lieder genieίen. Aufgrund der allgemeinen Geschichte der Insel und des umliegenden Gebiets, und gestόtzt auf die όberlieferten Erzδhlungen des Volkes, kφnnen wir folgendes berichten: Nach der Plόnderung der Insel Karpathos durch den Statthalter von Syrien, Moavias (747), wird die Insel von Sarazenen heimgesucht und verwόstet, bis diese im Jahre 961 endgόltig unter Nikiforos Fokas von Kreta aus vertrieben werden. In den folgenden Jahren bildeten die Inseln Kreta, Kassos und Karpathos den «Kretischen Stamm΄΄, der den Befehlen eines byzantinischen Generals unterstand. Nach der Eroberung des byzantinischen Kaiserreichs durch die Franken (1204) fδllt die Insel zuerst and den kretischen Adeligen Leon Gavalas, dann an die genuesische Familie der Kornaro, bis schlieίlich 1537 die tόrkische Flotte unter Hayredyn Varvarossa die frδnkische Vorherrschaft beendet. In der griechischen Revolution von 1821 kδmpft Karpathos fόr die Befreiung des griechischen Mutterlandes und kann das tόrkische Joch vorόbergehend abschόtteln, ehe die Insel im Londoner Protokoll (1830) wieder an die Tόrkei zurόckgegeben wird. Auf die tόrkische Besetzung folgt 1912 die italienische. 1948 wird die Inselgruppe des Dodekanes endlich wieder mit Griechenland vereint. Die Steuer – und Verwaltungsprivilegien, die den Inseln zur Zeit der Tόrkenherrschaft gewδhrt wurden, trugen zur Entwicklung demokratischer Einrichtungen zur Selbstverwaltung und zur Schaffung eines ertrδglichen Wirtschaftslebens bei. Bis in die letzten Jahre der italienischen Besatzung wurde Olympos vom Orts – Senat verwaltet, der jδhrlich von der Vollversammlung der Mδnner gewδhlt wurde. Der Senat hatte umfassende Vollmacht im Verwaltungs-, Steuer-, Erziehungs- und Gerichtswesen. Besonders bewundernswert erscheint und heute die Art und Weise, in der die Gemeindefόhrung die jδhrliche Nuztung des Ackerlandes festsetzte, dabei den Bedόrfnissen so vieler entsprach und gleichzeitig die Differenzen zwischen den Ackerbauern und den Viehzόchtern ausgleichen konnte. Die heutige Siedlung Olympos Die heutige Siedlung ist deutlich grφίer als der ursprόngliche Kern aus dem 9, und 10 Jahrhundert. Kaum war die Bedrohung durch die Piraten gebannt, dehnte sich das Dorf am φstlichen und westlichen Hang entlang aus, wδhrend am Grat eine Reihe malerischer Windmόhlen emporwuchs, die seither das Wahrzeichen der Siedlung von Olympos sind. Beeindruckend ist die Hauptkirche des Dorfes, Mariδ Himmelfahrt geweiht, die im byzantinischen Stil gehalten ist, und im gesamten Innenraum mit wunderschφnen Wandmalereien aus der Zeit der Tόrkenherrschaft Holzschnitzerei. Neben der Hauptkirche sind im gesamten Dorfgebiet und in der nδheren Umgebung zahlreiche hόbsche Kapellen zu finden. Heute ist aufgrund der enormen Abwanderung ein Grossteil der Dorfhδuser verschlossen und unbewohnt. Die Siedlung Diafani Spuren minoischer Besiedelung am Grund der Bucht von Kambio, άberreste eines hellenistischen Bades im Gebiet von Loutro und der Ortsname Palea (die Alte) lassen uns mit einiger Sicherheit annehmen, dass die Umgebung von Diafani seit der Antike als gόnstiges Siedlungsgebiet galt. Durch die Araber – Einfδlle wurden die dortige Bevφlkerung jedoch zum Verlassen ihrer Hδuser gezwungen und suchte in der Folge Zuflucht in Olympos. Ende des vergangenen Jahrhunderts, als die Segelschiffe der Piraten – nicht nur der neueren Araber, sondern auch der Lalianer und der berόchtigten Piraten der Insel Hydra – von den staatlichen Motorschiffen verjagt und gezwungen wurden, ihr «Handwerk an den Nagel zu hδngen΄΄, fassten die Bewohner der Festung von Olympos Mut und siedelten sich weiter unten, in Meeresnδhe an, wδhrend die Bewohner von Koraki( Aperi) zur Gleichen Zeit nach Pigadia zogen. Der eigentliche Grund fόr die Neubesiedelung von Diafani lag freilich nicht in der Tatsache, dass dort bereits in antiker Zeit eine Siedlung existiert hatte, sondern hauptsδchlich darin, dass die Lage and dieser Bucht fόr die Olympiten, die ihren Feldern auf Saria wollten, besonders gόnstig war. Die Bucht bot idealen Windschutz und lag auίerdem Olympos und Saria am nδchsten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete Diafani eine rapide Entwicklung. Avlona Die Bauernsiedlung Avlona ist nφrdlich von Olympos am Osthand des gleichnamigen groίen und fruchtbaren Tals gelegen. Avlona stellte einst den Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Lebens in diesem Raum dar. Hier gibt es noch etwa 300 «Stavlous΄΄ (Stδlle), wie die typischen Bauernhδuser von Avlona genannt werden, jedes verfόgte όber eine eigene Scheune und einen Getreidespeicher, in dem die Ernte der umliegenden Felder gelagert wurde. Der « Stavlos΄΄ von Avlona ist ein Gebδudekomplex, der den Bedόrfnissen der landwirtschaftlichen Produktion, der Wohnzwecken der Familie, den verschiedenen Arbeiten der Bauern (wie Dreschen, Worfeln, Lagerung der Feldfrόchte und des Saatguts, sowie des Strohs) und auch als Viehunterkunft diente. In vergangener Zeit, als der Ackerbau und die Viehzucht in Olympos blόhten, zog in den Sommermonaten fast die gesamte Bevφlkerung von Olympos und Diafani nach Avlona, das zu dieser Zeit vor Leben und reger Tδtigkeit geradezu vibrierte. Beschδftigungen der Einwohner Olympos war frόher – wie alle Dφrfer auf Karpathos – ein reines Bauerndorf. Die Angst vor den Piraten zwang die Bewohner, die ursprόnglichen Siedlungen im Strandgebiet aufzugeben und Zuflucht im Inselinneren zu suchen, wo sie sich mit Ackerbau und Viehzucht beschδftigten. Heute fahren nur wenige Olympiten zur See und in vergangenen Jahrzehnten waren es noch weniger. Hingegen gab es frόher zahlreiche Viehhirten. Aufgrund der groίen Abwanderung in grφίere Stδdte gibt es heute aber nur noch wenige Bauern und Viehzόchter im Dorf. In Olympos gab es keinen, der seinen Tag untδtig verbrachte, es sei denn, er war schwer krank. Die Lebensumstδnde und die natόrliche Umgebung entschieden frόh, wer dem Leben im Dorf gewachsen war. Kranke und Schwache konnten in Olympos auf kein langes Leben hoffen. Man musste schon robust veranlagt sein, um die tδglichen Strapazen «von einer Nacht zur anderen΄΄ (das heiίt vom frόhen Morgen bis spδt in die Nacht) aushalten zu kφnnen. Auch fόr Frauen wurde da keine Ausnahme gemacht. Im Gegenteil, hatten sie doch neben der Kinderbetreuung noch tδglich zu kochen, zu backen und samstags die Wδsche zu erledigen. Doch auch die Mδnner hatten selbst am Samstag immer etwas zu tun: wenn sie nicht die Felder bestellten, hackten sie Holz, besserten ihr Schuhwerk und Sonntagmorgen kehrten sie im Dorfkafeneion ein, um Bekannte zu treffen und die letzten Neuigkeiten zu erfragen. Mann und Frau waren in Olympos untrennbare Streiter im harten άberlebenskampf, um sich selbst und ihre meist vielen Kinder – im Durchschnitt waren es sechs – zu ernδhren. Wenn es das Glόck einmal nicht gut meinte, nahm der Mann einen Kredit auf und setzte ein Feld oder auch das Haus als Pfand ein. Und wenn es ganz unvermeidbar war, wurden die Goldmόnzen, die Mitgift der Hausfrau waren, verwendet. In diesem Fall όberschrieb ihr der Mann zum Ausgleich wiederum ein Feld oder das Haus. Viele Olympiten waren Bauleute, eine beachtliche Zahl arbeitete als Schuhmacher und einige waren Schmiede. Infolge der Abwanderung der Inselbevφlkerung und durch den Import von fertigen Schuhen gibt es heute keine einzige Schmiede mehr, und im Dorf sind nur noch Zwei oder drei Schuster zu finden. Das olympitische Haus Den Kern des traditionellen olympitischen Hauses stellte die sogenannte «Monospito΄΄ (=das Einhaus) dar, welches sich in zwei Teile gliederte: Den Pato (=Boden) und den Soufas mit dem Panosoufi. Der Soufas ist ein Holzbauwerk, δhnlich einer Empore oder einem Stockbett, όber dessen Niveau wiederum das Panosoufi gelegen ist. Beide dienten der Familie als Schlafstellen, wδhrend der darunter befindliche Raum als Abstellkammer und gegenόber gelegen ist, trδgt an seiner Vorderseite einen kunstvoll verzierten Rahmen, der sich oft an den Mittelpfosten, das heiίt den Pfosten, der den Mittelbalken des Daches stόtzt, lehnt. Der Pfosten und das geschnitzte Holzgelδnder des Soufas werden an Festtagen mit bunten Stickereien geschmόckt. Des weiteren gehφrt zur Grundausstattung des traditionellen Hauses die «Panga΄΄, eine Art hφlzerner Kanapee, der im rechten Winkel zum Soufa aufgestellt wird, und unter dessen aufklappbarer Sitzflδche allerlei Frόchte, Speisen etc. Aufbewahrt werden. An den Wδnden entlang laufen Regale, die mit bunten Ziertellern geschmόckt sind. Die Innenausstattung des Wohnraumes wird durch ein meist kunstvoll aus Holz geschnitztes «Ikonostasi΄΄ (Ikonenschrein) abgerundet, das sich gewφhnlich im φstlichen Teil des Hauses befindet. Dem ursprόnglichen Monospito, das einen offenen Kamin hatte, wurde spδter ein Nebenraum hinzugefόgt, der «Kellos΄΄, der als Kόche diente. Dort wurde nun die Feuerstelle eingerichtet und in der Decke des Kellos wurde der Schornstein eingelassen. Seither wurde der Kellos der Mittelpunkt des Alltagslebens der traditionellen olympitischen Familie. Viele Hδuser hatten auίerdem einen eigenen Backofen, der von den umliegenden Haushalten mitverwendet wurde. Sprachliche Eigenheiten – Idiome Das in Olympos gelδufige Idiom ist besonders bemerkenswert. Neben den Ortsnamen, die meist altgriechischer Herkunft sind, werden auch in der Alltagssprache noch zahlreiche altgriechische Wφrter bzw. Wφrther aus dem Mittelalter verwendet. Der Dialekt von Olympos unterscheidet sich auίerdem in einigen Phδnomenen (wie Wortendungen, unterschiedlichen Zischlauten, anderer Aussprache, u.m.) deutlich von den Idiomen anderer Dφrfer auf Karpathos. Lied, Musik, Tanz Frόher gab es in Olympos ein όberreiches Liedgut, aber auch heute sind noch viele Volkslieder im 15-Silbigen Reim bekannt, die sogenannten Syrmatika (=gedehnten), mit ihren typischen langgezogenen Melodien. Diese Lieder beginnen gewφhnlich sehr langsam, im Mittelteil wird der Rhythmus etwas schneller, biss er sich gegen Ende der Liedes noch mehr steigert, um auf diese Weise das Lied «voll auszunόtzen΄΄. Die Lieder handeln vom Leben in der Abgeschiedenheit, mache haben geschichtlichen Inhalt, andere sind satirisch – spφttisch. Diese Lieder kφnnen bei Festtafeln im Sitzen gesungen werden, passen aber auch zu langsamen Tδnzen. Neben den Syrmatika gab es noch zahlreiche Lieder zum «Zervos Choros΄΄ (dem linkshδndigen Tanz), sowie trochδische 8- bzw. 7-Silbige zum sogenannten «Knieenden Tanz΄΄- darόber hinaus hφrt man natόrlich auch viele Lieder mit unregelmδίigem Versmass. Auch heute noch sind besonders die selbstgereimten «Mantinaden΄΄ (Stδndchen) beliebt, mit denen die Olympiten ihr Lob und ihre guten Wόnsche an das Brautpaar, an den Tδufling, an geehrte Mitbόrger oder an aus der Fremde zurόckgekehrte Dorfbewohner zum Ausdruck bringen, oder Themen des Zusammenlebens in der Gemeinde behandeln, aber auch traurig und bewegt an jene erinnern, die nicht mehr am Leben sind. Frόher, so wird berichtet, gab es um die 70 verschiedene Skopi (=Weisen) fόr diese Mantinaden, wδhrend heute noch rund 40 verwendet werden. Manche Skopi sind dabei bestimmten Anlδssen vorbehalten, so gibt et etwa die Abschiedsweise, den Skopos fόr das nδchtliche Stδndchen, oder den Kamouzelliariko im Karneval. Glόcklicherweise werden diese volkstόmlichen Arten der Unterhaltung auf Betreiben der Ortsvereine an die Jugendlichen und Kinder von Olympos, sei es im Ort Selbst oder in den «Kolonien΄΄ auf Rhodos und in Pirδus, weitergegeben. Die Jungen lernen somit, die Tradition zu schδtzen und die Brδuche weiterzufόhren, die Respekt vor den Δlteren, Selbstachtung und gutes Benehmen vorsehen. Anlass zu Festen und Veranstaltungen bieten Hochzeiten, Taufen, die «Evkises΄΄ (=Namenstagsfeiern), der «Kδsesonntag΄΄ (der letzte Sonntag im Karneval), der Rosenmontag (in Griechenland «Kathara Devtera΄΄= der reine Montag genannt, as dem die Fastenzeit beginnt, δhnlich dem Aschermittwoch), der « Strahlende Dienstag΄΄ (=der Dienstag nach Ostern), der 15 August (Maria Himmelfahrt), der Kirtag des Heiligen Ioannis in Vrykous, der 8 September (das Fest des Heiligen Kreuzes), und frόher auch der Kirtag des Heiligen Georgios in Pilai und des Heiligen Minas. Die Ordnung, mit der ein olympitisches Fest ablδuft, ist beeindruckend. An und fόr sich feiern nur die Mδnner. Die wenigen anwesenden Frauen, die am Boden sitzen, beobachten die Feierlichkeiten, wδhrend die Mδdchen brav am Soufas und am Panosoufi sitzen. Nach dem Essen werden vom Ortpriester und von den Kirchensδngern Troparien (kirchliche Festgesδnge) gesungen und im Anschluss daran klopfen alle Anwesenden mit ihren Gabeln eine Runde um den Teller, um damit auf byzantinische Weise ihre Anteilnahme an der Freude des Einzelnen bzw. der Gemeinschaft auszudrόcken. In der Folge trinkt der Priester im Namen und zum Wohle des «Protomeraklis΄΄ (i.e. der beste Sδnger im Dorf, gewφhnlich ein δlterer Dorfbewohner), der danach das Tafellied und die erste Mantinade der Feier vortrδgt. Bei φffentlichen Festveranstaltungen, bei denen auch getanzt wird, ist das Orchester mitten auf dem Dorfplatz bzw. mitten im Tanzsaal platziert, die Mδnner bilden einen Tanzkreis um die Musikanten, und die Frauen versammeln sich auίerhalb des Mδnnerkreises. Am Tage finden Tδnze meist auf dem Platy (dem Dorfplatz) statt, der etwa 100 Quadratmeter groί ist. Es war dies der grφίte Platz, der vor der Dorfkirche angelegt werden konnte. Abends wurde der Tanz frόher in einem der grφίeren Dorfhδuser, in einem Tanzsaal fortgesetzt; seit ca. 30 Jahren dienen zu diesem Zweck jedoch die Gemeindehδuser von Olympos oder von Diafani. Bei Kirtagen wird natόrlich im Vorhof der Kirche getanzt. Am Vorabend des Patroziniums des Heiligen Ioannis in Vrykous (29 August) feierte und tanzte die Bevφlkerung ehemals in einer groίen Scheune, doch wurde vor einigen Jahren eigens zu diesem Zweck ein asphaltierter Tanzboden angelegt. Die Tδnze, die in Olympos όblich sind, sind hauptsδchlich a) der «Sianos΄΄ (vom griechischen «siganos΄΄= der Langsame), der auch «unterer Tanz΄΄ genannt wird und zu den Syrmatika und Mantinaden getanzt wird, die wie bereits erwδhnt eine Vielfalt von Themen behandeln. Beim Tanzen muss der Tδnzer unbedingt seine «Vandes΄΄ (das sind die Tδnzerinnen zu seiner Rechten und zu seiner Linken) loben. b) der lebhafte «Pano Choros΄΄ (=oberer Tanz), der im «kavo΄΄ (im ersten Abschnitt des Tanzkreises, bzw. von den Tδnzern, die den Tanz anfόhren) besonders spritzig getanzt wird. Da Olymps, wie erwδhnt, sehr bevφlkerungsreich war, jedoch nur begrenzte Tanzflδchen zur Verfόgung standen, wurde der Opere Tanz zwar lebhaft, aber doch fast im stehen getanzt, das heiίt, die Tδnzer bewegten sich nur sehr langsam im Kreis. Beim langsamen Sianos stellte der Platzmangel hingegen keine Schwierigkeit dar. In anderen Dφrfern auf Karpathos, die nicht so viele Einwohner zδhlten und keine Platzprobleme hatten, wurde nicht nur nach rechts getanzt, sondern auch zur Kreismitte und in die jeweilige Gegenrichtung. Tracht Frόher trugen die Groίgrundbesitzer einen roten, im Ausland gekauften Fes, weite Hosen (Vraka genannt), und darόber Gamaschen, alles aus blauer Baumwolle, die in Olympos gewebt wurde. Weniger bedeutende Landbesitzer trugen engere Hosen und eine hohe Mόtze, wδhrend das gemeine Volk wollene Pumphosen trug. Seit etwa 30 – 40 Jahren werden diese Vrakes und Pumphosen kaum noch getragen. Sie wurden von den «normalen΄΄ Hosen, die Anfang unseres Jahrhunderts in Mode kamen, verdrδngt. Es gibt zwei Arten von Frauentrachten: a) die Alltagstracht mit weiten Unterhosen und Unterhemd, όber die das Kavai und die Poea (Schόrze) getragen werden. Dieselbe Tracht, jedoch mit Stickereien verziert und mit den entsprechenden Kopftόchern konnte von jungen Mδdchen auch an Festtagen und zum Kirchgang getragen werden.b) das «Sakofoustano΄΄ (Rock und lange aus robustem Stoff mit bunter Schόrze), mit Stickereien und bunten Kopftόchern trugen die Mδdchen zur Kirche, zu Jahrmδrkten und zu Tanzveranstaltungen. Zum Kavai passten die «Stiania΄΄ (Stiefel), zum Sakofoustano hingegen nur die Pantoffeln, die von den ortsansδssigen Schuhmachern fein gearbeitet wurden. Da heute das Bauern – und Hirtenleben an Bedeutung verloren hat, das erforderlich gemacht hatte, das die Frauen robust gekleidet waren, wird die Tracht nur von δlteren Frauen, bei festlichen Anlδssen jedoch auch von den Mδdchen getragen. Leider wird sie wohl bald nur noch in Museen zu finden sein.

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